Evangelische Kirchengemeinde Berlin Müggelheim
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Gesprächskreis

Aktuell: siehe unter Termine (Kreise).

August 2019 (Archiv)

Ergänzendes Material für den Gesprächskreis ist hier zum Herunterladen verfügbar.

Das erste Jahrtausend
Material für den Gesprächskreis im August 2019 zum Thema "Ursprünge und Richtungen des Islam"
Das_erste_Jahrtausend.pdf
PDF-Dokument [37.5 MB]
Das erste Jahrtausend (Vorderer Orient und Mittelmeerraum)

Vortrag über die Ursprünge und Richtungen des Islam

(Anke Schwedusch-Bishara)

 

Am 14. August hatte der Gesprächskreis der Kirchengemeinde Müggelheim zu einem Vortragsabend über die Ursprünge des Islam eingeladen. Das Thema stieß auf großes Interesse, so dass der Gemeinderaum gerade so ausreichte. Vortragender war Dr. Thomas Tunsch, Archäologe und Kustos im Museum für Islamische Kunst in Berlin und Lektor der Müggelheimer Gemeinde.

Ohne die Quelle zu verraten, las Dr. Tunsch mit den Anwesenden zu Beginn gemeinsam einen Text, den man ohne weiteres für ein christliches Gebet halten konnte. Die Auflösung brachte für viele eine Überraschung: Es handelte sich um „al Fātiha“ (die Eröffnung), die erste Sure des Koran in deutscher Übersetzung. Dieser Einstieg machte gleich an einem Beispiel erlebbar, wie eng die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam miteinander verwandt sind. Entstanden und auseinander hervorgegangen sind alle drei im Nahen Osten. Anhand einer Zeitkarte führte Dr. Tunsch Schritt für Schritt durch die nahöstliche Geschichte des 1. Jahrtausends n. Chr., deren Folgen die Weltgeschichte entscheidend mitgeprägt haben. Dieses umfangreiche Wissen für die Zuhörenden in Kürze und allgemeinverständlich darzustellen, ist eine große Herausforderung. Durch die anschaulichen Darstellungen der Zeitkarte und die freie zugewandte Rede, die jeder mit Nachfragen unterbrechen durfte, ließ sich seinem Vortrag sehr gut folgen. Wer einen Eindruck davon erhalten möchte, kann sich die Zeitkarte im Internet anschauen (http://bit.ly/TimeMap1000).

„Die Medien berichten so viel über den Islam, vor allem über seine Konflikte und wir wissen darüber so wenig Bescheid“, bedauerte eine Teilnehmerin. Der Abend zeigte, dass ein Blick in die Geschichte hilft, diese Konflikte besser zu verstehen. So gründet die Spaltung in Sunniten und Schiiten und die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen beiden Glaubensgruppen schon in den Kämpfen um die rechtmäßige Nachfolge des Propheten Muhammad.

Erhellend waren auch die Hinweise des Referenten, dass theologische Auseinandersetzungen im Christentum ähnlich heftig ausgetragen wurden und auch dort zu Spaltungen führten, die bis heute andauern. Als Beispiele führte er das Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.) an, bei dem um das Verhältnis zwischen göttlicher und menschlicher Natur Jesu Christi gestritten wurde. In der Folge trennten sich die orientalisch-orthodoxen Kirchen (u.a. syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien, armenisch-apostolische und koptische Kirche) von der byzantinischen Kirche. Für typisch islamisch wird oft das Bilderverbot gehalten. Mit Beispielen aus der islamischen Kunst belegte Dr. Tunsch, dass es kein generelles Bilderverbot gibt, sondern eher eine Bildervermeidung – vor allem Gott und meist das Gesicht des Propheten betreffend. Damit vergleichbar ist der Bilderstreit unter Christen im byzantinischen Reich von 730-843 n. Chr., in dem heftig und handgreiflich um den Gebrauch und die Verehrung von Ikonen gestritten und von einer Gruppe ein strenges Bilderverbot gefordert wurde. Hätte sie sich durchgesetzt, sähen Kirchengebäude heute anders aus. In den theologischen Streitfragen und der Vehemenz, mit der sie bis zur Spaltung hin ausgetragen wurden, gibt es zwischen Islam und Christentum in der Zeit ihrer Entstehung und Ausbreitung also manche interessanten Parallelen zu entdecken. Ein ausgestreckter Zeigefinger ist deshalb kein guter Diskussionsbeitrag.

Ein wichtiges Anliegen war Dr. Thomas Tunsch die Botschaft, sich nicht mit gewohnten Sichtweisen zufrieden zu geben, sondern diese zu prüfen. In diesem Sinn ist er auf die Fragen und Diskussionsbeiträge eingegangen. Einzelheiten, Jahreszahlen und Fakten bleiben Zuhörern leider meist nur bruchstückhaft in Erinnerung. Es wäre darum wünschenswert, wenn diese Botschaft über den Abend hinaus weiterwirkt.

Text "Vortrag über die Ursprünge und Richtungen des Islam": CC BY-SA Anke Schwedusch-Bishara

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